Zivilcourage und Werte - Thementag an der Kantonsschule Schüpfheim

Landschaftsaufnahmen. Am lieblichen Weiher. Bild: Pascale Frey

Am lieblichen Weiher. Bild: Pascale Frey, September 2014, Entstehungsort: Am Rande des Vernichtungslagers Auschwitz II-Birkenau.

von Michel Charrière

"Kontaminierte" Landschaften
Der Schein trügt: Auf dem Grund des lieblichen Weihers im Bild liegt die Asche ungezählter in Gaskammern ermordeter Menschen.
Der Weiher befindet sich am Rande des Vernichtungslagers Auschwitz II-Birkenau. Im Wasser glaubten die Täter Spuren verschwinden zu lassen. Das Foto entstand im September 2014 auf der Studienreise der Klasse 3Ka nach Krakau. Dabei besuchte sie auch die Gedenkstätte KZ Auschwitz-Birkenau.

Zahlreich sind sie in Ostmitteleuropa, diese idyllischen Landschaften, die sich bei genauerem Hinsehen und Nachforschen als „kontaminiert“ entpuppen – in dem Sinne, dass darunter menschliche Überreste aus Genozid-Verbrechen verborgen liegen. Im Unterschied zu Auschwitz haben die Getöteten vielerorts nie eine Gedenkstätte erhalten. Eine Erinnerung an sie und die Verbrechen existiert nicht, weil sie – nicht zuletzt im Sinne der Täter – nicht existieren sollte.

Dr. Martin Pollak, Schriftsteller und Übersetzer

Dr. Martin Pollak, österreichischer Schriftsteller und Übersetzer, Autor u.a. von "Kontaminierte Landschaften" ist am 27. Januar 2015 zu Gast an der Kanti Schüpfheim / Gymnasium Plus. Bild: © Katarzyna Dzidt/Paul Zsolnay Verlag Wien

Gegen das Verschweigen von Verbrechen
Der österreichische Schriftsteller und Übersetzer Dr. Martin Pollack beschreibt in seinem jüngsten Buch mit eben diesem Titel solche „Kontaminierte Landschaften“ (erschienen 2014 im Residenzverlag). Schonungslos und beharrlich deckt er vertuschte Massaker auf, im burgenländischen Rechnitz genauso wie im slowenischen Kocevski Rog oder in Kurapaty bei Minsk, und stellt die Frage, wie wir in diesen Landschaften leben bzw. wie wir sie bereisen. Der Wahrheit verpflichtet schreibt er gegen das (Ver-)Schweigen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ein Akt der Zivilcourage! Zumal in der heutigen Ukraine, die erneut zum traurigen Schauplatz von Terror und Gewalt geworden ist. Martin Pollack wird am 27. Januar als Gastreferent an der Kantonsschule Schüpfheim / Gymnasium Plus auftreten. 

Werte vermitteln
Zivilcourage basiert auf Werten. Und um Werte soll es in verschiedenen Fächerateliers gehen, die am Thementag von unseren Lehrpersonen angeboten werden. Eine Schülergruppe wird sich überdies dem Simulationsspiel „Humania“ widmen, einem neuen Projekt der Schweizerischen Flüchtlingshilfe, in welchem auf spielerische Weise Werte verhandelt und dadurch Respekt und Toleranz für unterschiedliche Meinungen gefordert und gefördert werden.